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Die Pfarreien St. Ludwig und St. Albertus Magnus vor ihrer Zusammenlegung

Die Erhebung der Gemeinde Sankt Ludwig zur Pfarrei geht auf das Jahr 1898 zurück. Die Urkunde, die Georg Kardinal Kopp, der Fürstbischof von Breslau, bereits im Dezember des Vorjahres unterzeichnet hatte, trat am 1. März 1898 in Kraft. Der bisherige Pfarradministrator Carl Milz wurde zum Pfarrer ernannt. Zehntausend Gemeindemitglieder zählte die Pfarrei die den Bezirk Wilmersdorf mit Halensee, Charlottenburg im Bereich südlich der Stadtbahn und im Süden Grunewald umfasste. Im Verlauf der nächsten Jahre, als die Gemeinden Sankt Borromäus, Heilig Kreuz, Sankt Camillus, Sankt Albertus Magnus und die Herz-Jesu-Gemeinde entstanden, wurden die Grenzen der Prarrbereiche neu geordnet. Sankt Ludwig umschloss nun den Bereich, der im Norden an den Bahnhof Zoo grenzte, im Osten an der Ansbacher Straße, im Süden am Ring von Güntzel-, Nassauische, und Konstanzer Straße entlang führte und im Westen mit den Straßen Eisenhart-, Sybel- und Wilmersdorfer bis zur Stadtbahnlinie bezeichnet wird.
Bis zur Fusion mit Sankt Albertus Magnus vor einigen Jahren leiteten sechs Pfarrer die Gemeinde, taten fünfundsechzig Kapläne und drei ständige Gastpriester ihren Dienst, ferner fünfzehn Küster, neun Gemeindereferentinnen und fünfzehn Kirchenmusiker. Im Jahr 1986 kamen sieben Franziskanerpater nach Sankt Ludwig. Auch mehrere Pfarrgemeinderäte haben weit der Gründung dieser Institution im Jahre 1969 gewirkt. Der zehnte ist derzeit im Amt.

Die Katholiken der ehemals eigenständigen Gemeinde Sankt Albertus Magnus gehörten ursprünglich zu Sankt Ludwig. Das Halenseeviertel war seit 1885 stetig gewachsen, der Weg zur Ludwigkirche weit und so entstand der Wunsch nach einer eigenen Gemeinde. Er sollte sich im Jahre 1962 erfüllen. Eingeleitet wurde die Gemeindebildung 1934 mit dem Kauf des Kirchengrundstücks in der Nestorstraße durch den ersten Pfarrer von Sankt Ludwig, Carl Milz. Die pastorale Arbeit begann im Sommer 1935 im möblierten Zimmer von Kaplan Eugen Rieger in der Johann-Georg-Straße 7. Nach dem Krieg richtete man sich zunächst in einer großen Altbauwohnung in der Joachim-Friedrich-Straße ein. Die Gemeinde wuchs rasant. Bald fanden die Sonntagsmessen in einem Restaurant statt. Eine gewisse Stabilität kehrte erst 1948 mit dem Ankauf einer alten Arbeitsdienstbaracke aus der damaligen sowjetischen Besatzungszone ein, die auf dem Kirchengrundstück in der Nestorstraße aufgestellt wurde. Der Wunsch nach einer eigenen großen Kirche blieb aber lebendig und noch im Jahr 1950 wurde der Kirchenbauverein Sankt Albertus Magnus e.V. gegründet, der in kurzer Zeit eine beachtliche Summe zusammenbrachte und 1957 das angrenzende Grundstück Johann-Georg-Straße 8 für ein Pfarrhaus und einen Kindergarten erwarb. Am 1. Mai wurde die Kuratie Halensee die selbständige Pfarrei Sankt Albertus Magnus. Dietrich von Hülsen war ihr erster Pfarrer.

Dann erfolgte die Grundsteinlegung des Neubaus am 15. November 1960, dem Gedenktag des Kirchenpatrons Albertus Magnus und ein knappes Jahr später wurde am 1. April 1962 Kirchweih mit Erzbischof Alfred Bengsch gefeiert. Bald waren auch Pfarrhaus, Pfarrbüro und eine Kindertagesstätte fertiggestellt. Eine Orgel konnte 1969 von der evangelischen Lindenkirche übernommen werden. In den darauf folgenden Jahren wurde die Kirche ausgebaut, gepflegt und erhalten. Als jedoch das Berliner Erzbistum einen in langen Jahren angehäuften Schuldenberg abzutragen hatte, wurde 1998 zunächst Pfarrer Wojcik abberufen und kein neuer Pfarrer bewilligt. Dank der Franziskaner von St. Ludwig, die bereit waren, die Seelsorge zu übernehmen, konnte noch einige Zeit die Selbständigkeit gewahrt werden. Doch am 1. Juli 2003 ordnete Erzbischof Kardinal Sterzinsky per Dekret die Fusion der Gemeinden Sankt Ludwig und Sankt Albertus Magnus an und erklärte sie zu einer gemeinsamen Pfarrei.

Mit der Fusion der Gemeinden Sankt Ludwig am Ludwigkirchplatz und Sankt Albertus Magnus in der Johann-Georg-Straße zum 1. Juli 2003 wurden Veränderungen unausweichlich. Die Gemeindemitglieder von Sankt Albertus Magnus mussten sich auf spürbare Einschnitte einstellen, auf einen Prozess, der nicht „mal eben“ durchgeführt wird, zu viel Herzblut ist für manche über die Jahre in dieser Gemeinde und ihre Kirche geflossen und „Fusion“ bedeutet Anschluss, Zusammenlegung, Verschmelzung. Auch die Gemeindemitglieder in Sankt Ludwig mussten lernen, den Blick neu auszurichten. Mit der Zusammenlegung der Gemeinden erweiterte sich die Gemeindegrenze, Menschen, Schwestern und Brüder gehören neu dazu. Sie sollen sich in der Gemeinde Sankt Ludwig zugehörig wissen und vielleicht einmal Heimat finden. Ein Auftrag, der Zeit braucht, Gespräche, Bewusstseinsbildung hüben wie drüben. Bei der Pfarrgemeinderats- und Kirchenvorstandswahl Ende 2003 wurden Frauen und Männer aus beiden Gemeindebezirken gewählt, die sich dafür einsetzen, dem Ziel, Gemeinde zu werden, näher zu kommen. Mit der Zeit werden in der Kinder- und der Seniorenarbeit, im liturgischen Raum erste kleine Pflanzen erkennbar, die sich entfalten. Wir sind auf einem guten Weg

P. Hans-Georg Löffler, OFM (Pfarrer 2004-2013)
Herbst 2005